Hast du schon einmal etwas über das Setsubun-Fest in Japan gehört? Hier erfährst du, was es damit auf sich hat und warum es überhaupt gefeiert wird.
Setsubun erleben: Ein japanischer Brauch zwischen Dämonen, Bohnen und Glück

Jedes Jahr Ende Januar sieht man in Japan hin und wieder Oni-Masken in Geschäften, geröstete Sojabohnen Verpackungen mit Oni drauf oder man hört die Kinder rufen:
„Oni wa soto, fuku wa uchi!“, was so viel wie „Dämonen raus, Glück rein!“ bedeutet.
Mit geworfenen Bohnen, lachenden Kindern und manchmal sogar verkleideten Dämonen wird in Japan Setsubun gefeiert. Das ist ein traditionsreiches Fest, das den Übergang vom Winter zum Frühling markiert.
Setsubun ist dabei weit mehr als nur ein lustiger Brauch. Hinter den fliegenden Sojabohnen steckt eine jahrhundertealte Tradition, die Unglück vertreiben und Glück für das kommende Jahr bringen soll. Ob zu Hause mit der Familie, in Kindergärten oder bei großen Veranstaltungen in Tempeln und Schreinen – Setsubun gehört für viele Japaner fest zum Jahresbeginn dazu.
In diesem Artikel erfährst du, was Setsubun genau bedeutet, warum in Japan Bohnen geworfen werden, was es mit dem Spruch „Oni wa soto, fuku wa uchi“ auf sich hat und wie du dieses besondere Fest selbst erleben kannst. Ganz egal, ob du in Japan lebst, reist oder einfach neugierig auf japanische Kultur bist. 😉
Was ist Setsubun?
Das Wort Setsubun (節分) bedeutet wörtlich übersetzt so viel wie „Jahreszeitenwechsel“. Ursprünglich bezeichnete Setsubun nicht nur einen bestimmten Tag, sondern ganz allgemein die Tage, an denen eine Jahreszeit in die nächste übergeht. Im Laufe der Zeit hat sich der Begriff jedoch auf den Übergang vom Winter zum Frühling konzentriert und genau dieser wird heute in ganz Japan gefeiert.
Nach dem traditionellen japanischen Kalender beginnt der Frühling nämlich mit dem sogenannten Risshun (立春). Risshun bezeichnet im traditionellen japanischen Kalender den Beginn des Frühlings, der meist auf den 4. Februar fällt. Auch wenn es klimatisch noch winterlich ist, gilt dieser Tag symbolisch als Start eines neuen Jahresabschnitts. Setsubun findet daher immer am Tag davor statt. Da sich der Kalender im Vergleich zum gregorianischen Kalender leicht verschiebt, fällt Setsubun meist auf den 3. Februar, gelegentlich aber auch auf den 2. oder 4. Februar.
Die Grundidee von Setsubun ist einfach, aber tief verwurzelt in der japanischen Kultur.
Alles Unglück, Krankheiten und negative Einflüsse des vergangenen Jahres sollen symbolisch vertrieben werden, damit man mit Glück, Gesundheit und einem guten Gefühl in den Frühling starten kann. Besonders wichtig ist dieser Gedanke, weil der Frühling in Japan traditionell als Neubeginn gilt – nicht nur in der Natur, sondern auch im Leben.
„Oni wa soto, fuku wa uchi“ – die Bedeutung des Setsubun-Rufs
Vielleicht hast du den Spruch schon einmal in einem Anime gehört oder sogar selbst in Japan miterlebt. Der bekannteste Spruch zu Setsubun lautet: „Oni wa soto, fuku wa uchi!“, also übersetzt „Dämonen raus, Glück rein!“.
Dieser Ruf wird während des Setsubun-Rituals laut ausgesprochen, während man Sojabohnen aus dem Haus oder in Richtung der Tür wirft. Die Bohnen sollen symbolisch die Oni, also Dämonen, vertreiben und gleichzeitig das Glück (fuku) ins Haus einladen. Und was haben die Dämonen, also Oni damit zu tun?
Wer oder was sind Oni?
Oni sind Figuren aus der japanischen Mythologie. Sie werden oft als große, furchteinflößende Wesen mit Hörnern, scharfen Zähnen und bunten Lendenschurzen dargestellt. Die Oni stehen für alles Negative im Leben, zum Beispiel:
- Krankheit
- Unglück
- Streit
- schlechte Einflüsse oder Sorgen
Indem man die Oni symbolisch aus dem Haus vertreibt, möchte man sich von diesen negativen Dingen trennen und mit einer positiven Einstellung in den Frühling starten.
Warum wird der Spruch laut gerufen?
Das laute Rufen gehört bewusst zum Ritual. Es soll die bösen Geister abschrecken und gleichzeitig allen im Haus (insbesondere Kindern) zeigen, dass nun ein Neuanfang bevorsteht. In vielen Familien übernimmt eine Person die Rolle des Oni, setzt eine Maske auf und wird spielerisch mit Bohnen „vertrieben“.
Gerade für Kinder ist dieser Brauch ein Highlight und sie haben sichtlich Freude daran, die Oni mit Bohnen zu bewerfen. Auch in japanischen Kindergärten ist das Ritual fester Bestandteil: Dort verkleidet sich eine Erzieherin oder ein Erzieher als Oni und sorgt mit spielerischem Erschrecken für viel Aufregung und Gelächter.
Ehōmaki – der Glücks-Sushi zu Setsubun
Neben dem Bohnenwerfen gehört für viele Japaner auch das Essen von Ehōmaki (恵方巻き) fest zu Setsubun dazu. Dabei handelt es sich um eine dicke Sushirolle, die traditionell am Abend von Setsubun gegessen wird, um Glück für das kommende Jahr zu bringen.
Das Besondere an Ehōmaki ist nicht nur die Rolle selbst, sondern auch die Art, wie sie gegessen wird: Die Sushirolle wird schweigend und in Richtung der jährlichen Glücksrichtung (Ehō) verzehrt. Diese Glücksrichtung ändert sich jedes Jahr und basiert auf dem chinesischen Tierkreis.
Ursprünglich stammt der Brauch aus der Kansai-Region, insbesondere aus Osaka. In den letzten Jahrzehnten hat sich Ehōmaki jedoch in ganz Japan verbreitet – nicht zuletzt durch Supermärkte und Konbinis, die jedes Jahr unzählige Varianten anbieten. Von klassisch mit sieben Zutaten bis hin zu modernen oder sogar süßen Versionen ist heute alles dabei.
Auch wenn Ehōmaki heute stark kommerzialisiert ist, bleibt der Grundgedanke derselbe: Mit einem stillen Wunsch und einer Portion Glück in den Frühling zu starten.
Setsubun selbst erleben – Tipps für Reisende
Vielleicht hast du jetzt auch Lust bekommen, Setsubun einmal selbst in Japan zu erleben. Wenn du Ende Januar bis Anfang Februar im Land bist, hast du gute Chancen, das Fest nicht nur zu beobachten, sondern aktiv mitzufeiern. Besonders empfehlenswert sind Tempel und Schreine, die an diesem Tag große Setsubun-Feiern veranstalten. Dort werden Bohnen in die Menge geworfen, oft begleitet von Zeremonien, Musik oder Auftritten.
Viele dieser Veranstaltungen sind öffentlich zugänglich und auch für Touristen gut geeignet. Es lohnt sich jedoch, früh vor Ort zu sein, da beliebte Tempel schnell sehr voll werden können. Eine kleine Tasche oder Jackentasche ist praktisch, um die gefangenen Glücksbohnen mitzunehmen.
Wer es ruhiger mag, kann Setsubun auch ganz entspannt im Alltag erleben: Supermärkte sind voll mit Ehōmaki, Oni-Masken und Setsubun-Dekorationen. So bekommt man auch ohne großes Event einen authentischen Eindruck davon, wie tief Setsubun im japanischen Alltag verankert ist.
Egal ob groß gefeiert oder ganz schlicht – Setsubun bietet Reisenden eine wunderbare Gelegenheit, japanische Tradition hautnah zu erleben und einen besonderen Moment abseits der klassischen Sehenswürdigkeiten mitzunehmen.
Hast du Setsubun schon einmal gefeiert? Schreibe mir gerne in die Kommentare. 😊

Hi, ich bin Aylin!
Ich bin Japan-Bloggerin aus Leidenschaft und lebe mit meiner Familie im aufregenden Yokohama. Ich liebe es durch Japan zu reisen und das Land zu erkunden. Komm mit und lass uns Japan gemeinsam entdecken!




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